Was ist die Farm to Fork-Strategie | Bild Header

Was ist die „Farm to Fork“-Strategie?

Vor mehr als einem Jahr veröffentlichte die Europäische Kommission eine lang erwartete Strategie: Farm to Fork oder kurz F2F. Sie ist Teil des Green Deals, dem bisher ambitioniertesten Gesetzesvorschlag. Er stammt von der EU-Kommission, deren fünfjährige Amtszeit im Dezember 2019 begann. Grob gesagt zielt die „Farm to Fork“-Strategie darauf ab, das europäische Lebensmittelsystem in vielen Aspekten nachhaltiger zu gestalten. Außerdem sollen die Auswirkungen des Systems auf Drittländer verringert werden.

Bislang stößt die Strategie überwiegend auf positive Resonanz aus der Zivilgesellschaft. Die Vorgehensweise „Vom Hof auf den Teller“ betrifft viele Sektoren – von der Landwirtschaft bis zur Lebensmittelkennzeichnung. Warum ist sie für die zukünftigen europäischen Lebensmittelsysteme von entscheidender Bedeutung? Um das zu verstehen, müssen wir die Strategie im Detail betrachten. Wir klären Sie über alle wichtigen Aspekte auf. Hier erfahren Sie, welchen Einfluss F2F auf Sie und Ihre Kunden hat.

Was ist der Green Deal?

Der Green Deal ist ein von der EU-Kommission erstelltes Konzept. Sein Hauptziel ist es, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. Mit Maßnahmen in Bezug auf diese Bereiche soll das gelingen:

  • Finanzierung
  • Energieversorgung
  • Verkehr
  • Handel
  • Industrie
  • Landwirtschaft
  • Forstwirtschaft

Für die Landwirtschaft steht der Punkt „Klimagase aus der Viehhaltung“ im Fokus. Die „Farm to Fork“-Strategie und die zur Biodiversität sind essenziell.

Was ist die „Farm to Fork“-Strategie und wen betrifft sie?

F2F ist das Herzstück des Green Deals und ein umfassender Zehnjahresplan. Sie stellt zusammen mit der Strategie zur Biodiversität ein Maßnahmenpaket dar. Es erkennt die Wechselwirkungen von gesunden Menschen, Gesellschaften und einem gesunden Planeten an. Das Paket umfasst insgesamt 27 Maßnahmen. Durch F2F sollen die Klimakrise eingedämmt, das Artensterben umgekehrt und die Ernährungsversorgung gewährleistet werden.

Alle Stationen „vom Acker bis auf die Gabel“ der Verbraucher und Verbraucherinnen sollen nachhaltig gestaltet werden. Auf diese Weise bleiben Lebensgrundlagen wie Wasser, Böden und die Atemluft erhalten. Dazu wird der Tierschutz sichergestellt.

Die Maßnahmen müssen in Gesetzesvorlagen umgewandelt werden, damit sie wirksam sind. Das geschieht durch das EU-Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten.

Jeder Staat der EU muss der „Farm to Fork“-Strategie folgen, indem er sie auf nationaler Ebene umsetzt. So tragen alle dazu bei, die EU-weiten Ziele zu erreichen.

Die Strategie steht im Einklang mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDGs). Außerdem zielt sie darauf ab, durch internationale Zusammenarbeit und Handelspolitik die Standards weltweit anzuheben. Auf diese Weise soll ihr ökologischer Wandel nicht durch die Externalisierung konventioneller Praktiken in anderen Regionen ausgeglichen werden.

Was ist die Biodiversitätsstrategie?

Mit der Biodiversitätsstrategie soll die biologische Vielfalt in Europa bis zum Jahr 2030 auf den Weg der Erholung gebracht werden. Vor dem Hintergrund der Coronakrise wird die Gesellschaft zukünftig gegenüber Bedrohungen wie diesen gestärkt:

  • Auswirkungen des Klimawandels
  • Waldbrände
  • Ernährungsunsicherheiten
  • Seuchenausbrüche – unter anderem durch den Schutz von Wildtieren und Pflanzen sowie die Bekämpfung des illegalen Artenhandels

Bis 2030 soll eine Reihe von Maßnahmen und Verpflichtungen umgesetzt werden.

  • Einrichtung eines größeren EU-weiten Netzes der Schutzgebiete an Land und auf See
  • Aufstellung eines EU-Plans zur Wiederherstellung der Natur
  • Einleitung von Maßnahmen zur Ermöglichung des nötigen tiefgreifenden Wandels und
  • zur Bewältigung der weltweiten Herausforderungen in Bezug auf die Biodiversität

Diese Maßnahmen werden zeigen: Die EU ist bereit, mit gutem Beispiel bei der Bewältigung der weltweiten Biodiversitätskrise voranzugehen. Außerdem möchte die Europäische Union auf die Annahme eines weltweiten Rahmens zum Schutz der biologischen Vielfalt hinarbeiten.

Welche Maßnahmen wurden in der „Farm to Fork“-Strategie beschlossen?

  • 10 Prozent der ökologischen Anbauflächen sollen mit Elementen zur Förderung der Artenvielfalt ausgestattet werden. Darunter fallen Blühstreifen, Hecken, Teiche und Trockenmauern.
  • Konzepte gegen Lebensmittelverschwendung müssen eingeführt werden.
  • In Kantinen und Systemgastronomien soll es mehr Bio-Lebensmittel geben.
  • Verpackungen müssen nachhaltiger gestaltet sein.
  • Ein Nährwertkennzeichen ist geplant, auf dem Verbraucher in allen EU-Staaten sofort erkennen, wie nährreich ein Lebensmittel ist.

Was sind die wichtigsten Ziele dieser Strategie?

Besonders in der Lebensmittelbranche gibt es viele Ziele, die es zu erreichen gilt. Es muss eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion sowie die Ernährungssicherheit gewährleistet werden. Nachhaltige Praktiken sollen in unterschiedlichen Bereichen Einzug halten. Zu diesen zählen die Lebensmittelverarbeitung, der Groß- und Einzelhandel, das Gastgewerbe und die Gemeinschaftsverpflegung, etwa in Kantinen und Krankenhäusern.

Doch auch jeder Einzelne kann etwas tun – mithilfe eines nachhaltigen Konsums von Speisen und Getränken und dem Übergang zu einer gesunden, nachhaltigen Ernährungsweise.

Zu den Zielen der „Farm to Fork“-Strategie gehören außerdem die Verringerung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung. Ein Apfel mit einer Druckstelle muss beispielsweise nicht umgehend entsorgt werden. Wenn in einem Behälter mit Tomaten eine faule darunter ist, sind die restlichen nicht automatisch auch schlecht.

Zum Schluss soll der Lebensmittelbetrug entlang der Schöpfungskette eingedämmt und bekämpft werden.

Was ist Lebensmittelbetrug?

Der Begriff „Lebensmittelbetrug“ (von engl. Food Fraud) kam besonders nach dem Pferdefleischskandal im Jahr 2013 auf. In Deutschland, Europa und weltweit existieren verschiedene Definitionsansätze.

Grundsätzlich heißt Lebensmittelbetrug, dass Nahrungsmittel vorsätzlich in Verkehr gebracht wurden, deren Beschaffenheit nicht mit ihren vorher zugesicherten Eigenschaften übereinstimmt. Lebensmittelbetrüger erhoffen sich auf diese Weise einen wirtschaftlichen und finanziellen Vorteil. Food Fraud kann, muss aber nicht, mit einem gesundheitlichen Risiko für Verbraucher einhergehen. Anhand dieser Kriterien lässt sich ein Lebensmittelbetrug zweifelsfrei feststellen:

  • Vorsatz
  • Verstoß gegen das EU-Lebensmittelrecht
  • Gewinnerzielung
  • Täuschung des Verbrauchers

Beispiele für Lebensmittelbetrug sind

  • falsch deklarierte Rindfleischprodukte, denen Pferdefleisch zugesetzt ist,
  • angebliches natives Olivenöl, das ein günstiges, mit Chlorophyll eingefärbtes Salatöl ist,
  • Garnelen, die zur Gewichtserhöhung mit Gel aufgespritzt werden,
  • natürlicher Honig, der mit Zuckerlösung gestreckt wird,
  • Edelfisch, bei der die Fischart falsch angegeben wurde oder
  • als Bio deklarierte Lebensmittel, die konventionell angebaut wurden.

Lebensmittelbetrugsfälle sind strafrechtlich relevant und werden von Polizei, Staatsanwaltschaft und Zollbehörde in Zusammenarbeit mit Lebensmittelüberwachungsbehörden verfolgt. Weit verzweigte Lieferketten erhöhen die Betrugsmöglichkeiten.

Wie lässt sich ein Lebensmittelbetrug vermeiden? Im besten Fall können Sie jedes Lebensmittel problemlos bis zum Hersteller zurückverfolgen. Das wird einfacher, je kürzer die Lieferkette ist. Bei Ehlert achten wir auf möglichst unverzweigte Lieferketten. Bei uns erhalten Sie sowohl Produkte aus eigener Herstellung als auch von sorgfältig ausgesuchten Händlern.

Welches sind die Leitziele der „Farm to Fork“-Strategie, die für das Erreichen aller Ziele wesentlich sind?

Neben den eigentlichen Zielen wurden von der EU-Kommission Leitziele genannt, die zum Erreichen aller Ziele von F2F wesentlich sind. Einige davon spiegeln auch die EU-Biodiversitätsstrategie wider.

Eine zentrales Leitziel ist die Ausweitung der Bio-Landwirtschaft in allen EU-Staaten auf 25 Prozent. Pestizide und Antibiotika werden bis 2030 um bis zu 50 Prozent reduziert. Damit ist auch gemeint: Der Gesamtverkauf antimikrobieller Mittel für Nutztiere und Aquakultur soll insgesamt um 50 Prozent verringert werden. Die Nährstoffverluste müssen ebenfalls um mindestens 50 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass sich die Bodenfruchtbarkeit nicht verschlechtert. Aus diesem Grund soll auch der Einsatz von Düngemittel bis 2030 um mindestens 20 Prozent gesenkt werden.

Hatte die EU schon einmal eine „Farm to Fork“- oder eine umfassende „Food“-Strategie?

Dass die EU eine „Farm to Fork“-Strategie für nachhaltige Systeme vorschlägt, kommt jetzt zum ersten Mal vor. Es ist ein Versuch, eine umfassende Lebensmittelpolitik zu schaffen. Fragen rund um Nahrungsmittel wurden in der Vergangenheit durch getrennte – und manchmal auch unvereinbare – Politiken in den unterschiedlichen Ressorts wie Landwirtschaft, Umwelt oder Handel separat behandelt.

Dabei ist eine einheitliche Politik rund um Lebensmittel notwendig, um einen umfassenden Ansatz für eine 180-Grad-Drehung im Lebensmittelsystem umzusetzen. Dazu reicht es nicht, nur die Bereiche Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und Handel koordiniert anzugehen. Die Lebensmittel- und Umweltqualität, die Gesundheit, die Ressourcen- und Landbewirtschaftung, die Ökologie, die sozialen und kulturellen Werte sowie die gesamte Agrar- und Lebensmittelkette müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Ist F2F für die EU-Staaten verbindlich umzusetzen?

Insgesamt ist die Strategie nicht bindend. Das wird sie erst durch die Umsetzung der dort festgelegten Ziele und Vorgaben seitens der EU-Mitgliedsstaaten. Umgesetzt werden die Maßnahmen von F2F durch verschiedene Gesetzgebungen, neu geschaffene und angepasste bestehende Politiken. Ein Beispiel ist die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP).

Wie werden die Ziele der „Farm to Fork“-Strategie erreicht?

Wie bei allen Zielen braucht es auch hier unterstützende Maßnahmen, damit sie erreicht werden können. Auf welche Arten können die Akteure im Lebensmittelsystem dazu gebracht werden, nachhaltiger zu wirtschaften und zu arbeiten? Wie können sie Alternativen zu chemischen Pestiziden entwickeln oder Kennzeichnungssysteme einhalten? Der Schlüssel: Wissen, Ausbildung und eine Verlagerung der finanziellen Unterstützung. F2F schlägt mehrere Reformen bereits bestehender Politiken vor:

  • Überprüfung der Tierschutzverordnung
  • Überprüfung der Richtlinie über die nachhaltige Nutzung von Pestiziden

In der Gemeinsamen Agrarpolitik sollten sich die Ziele und Vorgaben ebenfalls widerspiegeln. Möglich wird das durch nationale Strategiepläne, die derzeit von den einzelnen Ländern entwickelt werden. Bis 2023 legt die EU-Kommission einen Legislativvorschlag für einen Rahmen eines nachhaltigen Lebensmittelsystems vor. So können nationale Politiken aufeinander abgestimmt und die Kohärenz aller lebensmittelbezogenen Politiken gewährleistet werden.

Wie wirkt sich die Strategie auf die europäische Landwirtschaft und von uns gekaufte/verzehrte Lebensmittel aus?

„Vom Hof auf die Gabel“ soll der europäischen Landwirtschaft helfen, sich in den nächsten Jahren auf nachhaltigere Praktiken umzustellen. Das soll geschehen, indem sie chemische Pestizide und Düngemittel reduziert und Produkte mehr im Einklang mit der Umwelt produziert. Durch die verbesserte Kennzeichnung von Nährwerten auf Lebensmitteln sowie deren Herkunft wird die Lebensmittelkette für die Verbraucher transparenter.

Die „Farm to Fork“-Strategie schlägt einige Maßnahmen vor, um gesunde und nachhaltige Nahrungsmittel für alle wirtschaftlich und physisch zugänglicher zu machen.

Öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Kindertagesstätten müssen dank strengerer Standards im Beschaffungswesen mehr Bio-Lebensmittel anbieten.

Außerdem sollen Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck verringern und ihre Produkte im Einklang mit den Richtlinien für gesunde und nachhaltige Ernährung neu formulieren.

Wie unterstützt diese Strategie Landwirte und Fischer?

Haben Sie bereits den Übergang zu nachhaltigen Praktiken vollzogen? Dann wird die F2F-Strategie Sie und Ihre Bemühungen belohnen. Falls Sie noch Anpassungen vornehmen müssen, unterstützt sie Sie dabei.

Die Gemeinsame Agrarpolitik und die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) bleiben Schlüsselinstrumente, um den Übergang zum nachhaltigen Lebensmittelsystem zu erleichtern und gleichzeitig ein menschenwürdiges Leben für Fischer, Landwirte und deren Familien zu realisieren.

Noch bestehen Unklarheiten hinsichtlich der konkreten von Landwirten und Fischern zu unternehmenden Schritte, die für die Unterstützung nötig sind. Außerdem stellt sich die Frage, mit welchen Instrumenten der Übergang ermöglicht werden soll.

Einigung bei den Fangquoten in der Ostsee

Durch die „Farm to Fork“-Strategie sei laut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner „ein gutes Gleichgewicht gefunden worden, das eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände ermöglicht“. Denn die Situation der Fischbestände in der Ostsee ist immer noch schwierig. Zu den Ursachen gehören

  • Klimawandel,
  • Eutrophierung (Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem oder einem Teil davon),
  • Meeresmüll und
  • industrielle Verschmutzungen.

Dort, wo aufgrund des schlechten Zustandes keine Fischerei mehr möglich ist, sollten die Fischer Hilfe erhalten.

Welchen Einfluss hat die F2F-Strategie auf Sie als Verbraucher?

Zunächst werden Sie von der Umsetzung der „Farm to Fork“-Strategie nichts bemerken. Der Grund: F2F ist erstmal nur ein Empfehlungsrahmen. Sollte die Strategie erste Erfolge zeigen, werden deren Inhalte von den EU-Mitgliedsstaaten in Gesetzesvorlagen eingearbeitet. Die Gemeinsame Agrarpolitik ist die größte und eine der wichtigsten Vorlagen. Sie wurde im Herbst 2020 neu ausgestaltet und ab 2023 neu reformiert. Die Strategie „Vom Hof bis zur Gabel“ dient als Grundlage und beschreibt, wozu das Steuergeld der Verbraucher idealerweise eingesetzt wird. Von jedem steuerzahlenden Bürger werden 120 Euro pro Jahr der GAP zugeführt.

Auf lange Sicht, also bis 2030 werden Sie als Verbraucher bemerken, dass sich das Angebot nachhaltiger Lebensmittel vergrößern wird. Der Bio-Anteil steigt voraussichtlich innerhalb der nächsten 10 Jahre in Restaurants, Kantinen und anderen Großküchen.

Auch die Umwelt wird sichtbar widerspiegeln, dass die Maßnahmen der „Farm to Fork“-Strategie eingehalten und umgesetzt werden.

Kann diese Strategie geändert und verbessert werden?

„Farm to Fork“ ist ein langfristiger Plan für die kommenden 9 Jahre. Er stützt sich auf die Umsetzung und Überarbeitung vieler spezifischer Politiken. Die Kernverpflichtungen werden sich für die Bereiche der Lebensmittelkette vermutlich nicht ändern. Darum müssen Sie als Teil der Zivilgesellschaft dafür sorgen, dass die F2F-Strategie umgesetzt wird. Im Dialog mit der Politik können auch Sie durch Ihr Feedback zu den unterschiedlichen Reformen beratend zur Seite stehen.

Zum ersten Mal wird in der EU das gesamte Ernährungssystem betrachtet

Und zwar von der Erzeugung bis zum Verbraucher. Die „Farm to Fork“-Strategie steht für eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft. Sie setzt auf Innovation und digitale Technik. Außerdem ist sie der rote Faden für die künftige Arbeit der Europäischen Kommission – national, europäisch und global in sämtlichen Politikbereichen.