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CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln

Wir hinterlassen alle einen mehr oder minder großen ökologischen Fußabdruck. Im Jahr 2020 spielt die Klimakrise neben der Corona-Pandemie eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das hat der Haferdrink-Hersteller Oatly erkannt und eine Petition für ein CO2-Label auf den Weg gebracht. Wo Autohersteller bei ihren Neuwagen bereits in die Pflicht genommen werden, stehen Lebensmittelproduzenten noch außen vor. Dabei sei die Lebensmittelbranche für 25 % der globalen Emissionen verantwortlich, merkte der Geschäftsführer von Oatly, Tobias Goj, an.

Welche Faktoren für oder gegen ein CO2-Label sprechen, zeigen wir Ihnen im folgenden Blogbeitrag.

Lebensmittel mit CO2-Labeln – Wer und was spricht dafür?

Anders als noch vor 10 Jahren seien die Daten für den ökologischen Fußabdruck heute deutlich einfacher zu bestimmen. Und kostengünstiger sollen sie auch sein. Dafür brauche es eine verbindliche CO2-Kennzeichnung von Treibhausgasen, so Goj.

Befürwortet wird die Petition sowohl vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz als auch vom Unternehmen Nestlé. Letzteres möchte bis 2050 ein klimaneutrales Unternehmen werden und sieht diese CO2-Kennzeichnung als Zwischenschritt auf dem Weg zum Ziel. Das Label soll sich dabei nicht nur auf den CO2-Ausstoß der Nahrungsmittel beziehen, sondern auch auf deren Produktion. Das fordert Anke Stübing, Leitung des Bereiches Nachhaltigkeit Nestlé Deutschland.

Bei Nestlé sind bereits die ersten klimaneutralen Produkte in Planung. Dort möchte man auch entlang der Produktions- und Lieferkette Klimaneutralität wahren. Vom Rohstoffanbau über die Produktion, den Transport bis hin zu Verpackung und Vertrieb.

Bis 2030 soll die weltweite Halbierung der CO2-Ausstöße erreicht werden. In den deutschen Produktionsstandorten hat Nestlé die Treibhausgasemissionen innerhalb von 9 Jahren um rund 65 % gesenkt.

Für eine derartige Kennzeichnung spricht neben den angesprochenen Aspekten die Transparenz, die so geschaffen wird. Bereits seit 2018 deklariert Oatly die Emissionen von CO2 in seinen Produkten. Verbraucher können direkt am Supermarktregal abschätzen, wie die Klimawirkung bestimmter Produkte ist, erklärt Tobias Goj.

Rasmus Prieß, der bereits 2008 ein Projekt zum Product Carbon Footprint leitete, sieht einen Mehrwert für die Unternehmen selbst. Die CO2-Berechnung hilft den Produzenten, zu erkennen, an welchen Stellen sich Treibhausgase einsparen lassen.

Was spricht gegen eine CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln?

Uwe Feiler, Parlamentarischer Staatssekretär der CDU/CSU im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), hält eine CO2-Kennzeichnung nicht für sinnvoll. Es bestehe die Gefahr, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. So verhält es sich auch mit den unterschiedlichen Labeln auf Lebensmitteln. Es gibt Bio, Nutri-Score und Tierwohl. Regionale Produkte werden entsprechend hervorgehoben. Eine schnelle und leichte Entscheidung beeinflusst das Kaufverhalten. Mit einem zusätzlichen Labeling sei das nicht mehr gegeben, befürchtet Feiler weiter.

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Die Bundestags-Parlamentarierinnen Gitta Connemann und Nina Scheer schlagen mit ihrer Argumentation in eine ähnliche Kerbe. Ein CO2-Label wird der Komplexität nicht gerecht, weil es keine einheitliche Belastungsgrundlage gibt.

Außerdem merkt Nina Scheer einen vergleichsweise offensichtlichen Punkt an: Um sämtliche Umwelteinwirkungen auszuweisen, sind die Verpackungen schlichtweg zu klein.

Rasmus Prieß bemerkt Folgendes: Solange die Produkte nicht nach einheitlichen Grundlagen und unter Berücksichtigung weiterer Umweltfaktoren gekennzeichnet sind, ist die Deklaration des Fußabdrucks problematisch. Denn dadurch würden Entscheidungen auf den Verbraucher abgewälzt, die an anderer Stelle gelöst werden müssten.

Die Leitwirkung eines Labels lässt sich bisher noch nicht beweisen. Dazu ist die Marktforschung zur CO2-Kennzeichnung zu dünn. Um die Klimakrise zu stoppen, muss noch viel mehr getan werden.

CO2-Kennzeichnung bei Lebensmitteln: Welche Lösung gibt es?

Prieß sieht einen möglichen Lösungsansatz in der Politik und im Staat. Sie bzw. er könnte festlegen, auf wieviel Fläche Futtermittel für die Fleischproduktion angebaut werden darf. Dadurch findet eine indirekte Beeinflussung der Preise statt. Über den Preis und klare Richtlinien lässt sich der Konsum besser kontrollieren als mit einer Kennzeichnung.

Die Sprecherin für Verbraucherschutz, Tabea Rößner, bemerkt: „Es ist absurd, wie preiswert Fleisch ist. Die Preise müssen die Wahrheit aussprechen.“ Deswegen ist sie ebenfalls der Ansicht, dass der Konsum über die Preise kontrolliert werden muss. Weiter ist sie gegenüber der Petition von Oatly eher negativ eingestellt, bemerkt aber den Anstieg der Aufmerksamkeit zum Thema CO2-Emissionen.

Fazit zur CO2-Lebensmittelkennzeichnung

Rößner beklagt, dass seitens der Politik keine Rückendeckung für eine CO2-Kennzeichnung auf Lebensmitteln zu erwarten ist. Der Grund ist die Fleischindustrie, die über großen Spielraum auf dem politischen Parkett verfügt.

Dennoch lässt sich eine Beteiligung auf freiwilliger Basis seitens der Lebensmittelproduzenten nicht vollständig ausschließen. Sie werden auf den Zug aufspringen, auf dem grünes Verhalten in der Wirtschaft für mehr Bekanntheit und Umsätze sorgt. Oatly ist in der Hinsicht ein innovativer Vorreiter.

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