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Uni Bayreuth: Wegweiser für Produzenten neuartiger Lebensmittel

Beim Lesen dieser Überschrift haben Sie sich vielleicht gedacht: „Neuartige Lebensmittel? Was darf ich mir denn darunter vorstellen?“ Oder Sie wussten direkt, dass es um die Herstellung von Produkten aus Pilzen und Pilzmyzel geht. So oder so ist dieser Blogbeitrag sicher auch für Sie interessant:

Bisher fehlte den Produzenten dieser besonderen Art von Lebensmitteln ein Leitfaden. Der wurde jetzt von Forschern und Forscherinnen der Universität Bayreuth mit Unterstützung der Adalbert-Raps-Stiftung erarbeitet. Zusätzlich untersuchte ein Team um Prof. Dr. Kai Purnhagen das EU-Regelungsumfeld für Pilz- bzw. Pilzmyzel-Produkte. Zusätzlich zur Erarbeitung des neuen Wegweisers stellten die Wissenschaftler außerdem fest, dass das EU-Recht Lücken bezüglich der Produktion pflanzlicher Proteine aufweist.

Warum pflanzliche statt tierische Eiweiße produzieren?

Die Produktion tierischer Proteine – also solche, die in Fleisch, Eiern und Milch enthalten sind – gilt als stark umweltbelastend und energieaufwendig. Nachhaltigere Alternativen müssen her. Möglichkeiten sind

  • Zellkulturen
  • Insektenzucht oder
  • die Herstellung von Proteinen auf Pflanzenbasis.

Besonders für den letztgenannten Aspekt spielen Pilze und Myzel eine entscheidende Rolle. Der Begriff „Myzel“ bezeichnet die fadenförmigen Zellen eines Pilzes. Fälschlicherweise wird oft der sichtbare Fruchtkörper eines Pilzes als solcher bezeichnet. Doch richtiger ist die Verwendung des Wortes „Pilz“, wenn Sie das feine, unsichtbare, meist im Boden oder im Holz von Bäumen verankerte Zellgeflecht meinen.

Problematisch ist allerdings, dass allen Unternehmen, die in diesen Sektor einsteigen wollen, bisher die Rechtssicherheit auf dem speziellen Gebiet innovativer Lebensmittel fehlt. Frank Kühne, der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes der Adalbert-Raps-Stiftung, erklärt seine Motivation, die Universität Bayreuth zu unterstützen: Innovative Lebensmittel müssen sicher und nachhaltig sein. Dennoch sollen neuartige Produkte nicht durch einen engen, lebensmittelrechtlichen Rahmen ausgebremst werden. Besonders Start-up-Unternehmen benötigen die Rechtssicherheit bezüglich ihrer Produkte – das ist eine grundlegende Voraussetzung.

Worin liegt die Motivation der Uni Bayreuth und der Adalbert-Raps-Stiftung?

Prof. Dr. Kai Purnhagen, Inhaber des Lehrstuhls für Lebensmittelrecht der Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit, sagt dazu: „Der EU-Rechtsrahmen für MMP [die Abkürzung MMP steht für Mushroom and Mycelium Products] war bisher nie Gegenstand einer umfassenden Studie oder Überprüfung, daher haben wir uns dem Thema gewidmet.“ Die Motivation von Universität und Stiftung lag und liegt also darin, den Weg für MMP auf den Markt zu ebnen.

Welche Fragestellungen wurden bearbeitet?

Der Zusammenschluss von Forschern der Universität Bayreuth sowie Mitarbeitern der Adalbert-Raps-Stiftung hat sich unter anderem folgender Fragen angenommen:

  • Wie werden MMP eingestuft? Als Lebensmittel, Arzneimittel oder landwirtschaftliche Erzeugnisse?
  • Gibt es eine Verordnung über neuartige Nahrungsmittel und inwieweit trifft sie auf MMP zu?
  • Welche Anforderungen gibt es für die Erlangung einer Zulassung für neuartige Lebensmittel?
  • Können landwirtschaftliche Nebenerzeugnisse als Substrate für Pilze und Myzel verwendet werden?
  • Dürfen Zusatzstoffe in MMP verwendet werden oder Pilze und Pilzmyzel zur Herstellung von Lebensmittelzusatzstoffen verwendet werden?
  • Wie sieht die Kennzeichnung von MMP aus? Welche obligatorischen und freiwilligen Informationen gibt es (zum Beispiel eine korrekte Bezeichnung für MMP oder die Verwendung von nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben)?

Neuartige Lebensmittel: Was ist mit den Start-ups?

Der Wegweiser, den die Universität Bayreuth und die Adalbert-Raps-Stiftung gemeinsam entwickelt haben, ist eine erste Hilfestellung für Unternehmen, die MMP auf den Markt bringen möchten. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes am Bayreuther Campus stoßen besonders bei Start-up-Unternehmen auf großes Interesse. Dieses sieht Frank Kühne als Bestärkung, auch zukünftig Arbeiten der Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit in diesem Bereich zu fördern.

Es besteht Regelungsbedarf in Bezug auf Pilze und Pilzmyzel

Denn bisher wurden nur im Zusammenhang von MMP als Lebensmittelenzyme Regularien aufgestellt. In puncto toxische und allergene Strategien bestehen laut Prof. Dr. Purnhagen nach wie vor Unsicherheiten. So lassen sich die Risiken von Pilzen und Pilzmyzel derzeit nicht klar bewerten. Experimente mit Substraten aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten werden somit zusätzlich erschwert. Eine möglichst akkurate Bezeichnung von MMP muss her.

Weitere Schwierigkeiten gebe es im Bereich der Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen in Pilzen und Myzel sowie beim Gebrauch von MMP zur Herstellung von Zusatzstoffen. Diese beiden Gebiete fordern bei der Erstellung eines Regelwerkes genauso heraus wie vergleichbare Regularien für andere Lebensmittelzusatzstoffe.

Um eine Alternative zu tierischen Produkten effizient zur Marktreife bringen zu können, müssen die EU-Bestimmungen optimiert werden.

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