Was ist die Ernährung der Zukunft | Bild Header

Wie sieht die eigentlich Ernährung der Zukunft aus?

Nachhaltig, gesund, umweltfreundlich – Themen, die in der Nahrungsindustrie wichtiger denn je geworden sind. Die Ernährung steht mitten im Wandel: Immer mehr alternative Lebensmittel werden gefordert. Worauf müssen wir uns vorbereiten? Welche Änderungen sind bereits im Gange? Wir stellen Ihnen den aktuellen Forschungsstand, Ernährungstrends und das Weltunternehmen Cargill vor, das trotz seines Einflusses weitgehend unbekannt ist.

An welchen Themen wird aktuell geforscht?

Weg von Fleisch und hin zu Alternativen – mit Tofu, Seitan und Kichererbsen längst keine Neuerfindung mehr. Doch es geht noch weiter: Mit diesen Themen beschäftigen sich Forscher aktuell im Bereich Fleisch, Fleischalternativen und Fisch.

Alternative Proteine

Die Forschung hat nun alternative Proteine als Fleischersatz ins Visier genommen, unter anderem in Form von Erbsenproteinen. Das fleischlose Sortiment wird zusätzlich durch pflanzliche Burger-Patties, Hack und Chicken-Nuggets erweitert. Auch Ei-Ersatz ist ein wichtiges Thema.

Als Grundlage für die Alternativen soll Fleisch aus Zellkulturen dienen, das richtig gezüchtet eine hybride Form von Tier- und Pflanzenproteinen schafft. Aus ökonomischer Sicht ergeben sich mit dem Umstieg auf Fleischalternativen hohe Kosteneinsparungen: Tierfutter, Transport und Schlachtung fallen weg.

Gesundes Tierfutter

Weniger ist mehr – das gilt auch bei Rindern. Genauer: bei deren Futter. Während der Trend in Richtung fleischloser Alternativen weiter ansteigt, wollen nicht alle Verbraucher gänzlich auf Fleisch verzichten. Gerade bei Rindfleisch leidet die Umwelt durch den hohen Methanausstoß. Forscher suchen deshalb nach geeignetem Futter, das die Ursache – also die Blähungen – deutlich reduziert.

Fisch statt Fleisch

Neben den Fleischalternativen spielt Fisch eine wesentliche Rolle in der Nahrungsbranche. Bei der bisherigen Lachszucht bildeten die Fische bislang aber keine gesunden Omega-3-Fettsäuren. Essenzielle Stoffe für die menschliche Ernährung, auf die Verbraucher Wert legen. Cargill löste dieses Problem mit einer Kreuzung: Das Ergebnis ist Rapsöl mit Omega-3-Fettsäuren, das für die Lachszucht dem Futter beigemischt wird.

Außerdem wird die Zucht von Shrimps mit Künstlicher Intelligenz automatisiert und optimiert: Shrimps singen, wenn sie Hunger haben. Sie geben also selbst die perfekte Futterzeit vor. Mit einem Sensor kann das Geräusch wahrgenommen werden und die Tiere erhalten ihr Futter.

Gesundheit und Spezialernährung

Wie können wir unsere Gesundheit verbessern, das Immunsystem stärken? Gerade in Zeiten von Corona ist dieses Thema für viele Verbraucher wichtiger denn je geworden.

Eher zufällig ist Cargill auf ein bestimmtes Fermentat für Tierfutter gestoßen: Mitarbeiter, die mit diesem Stoff in Kontakt kamen, wiesen eine höhere Immunität auf. Gleichzeitig sank die Resistenz für Antibiotika. Inzwischen wurde er zu dem Nahrungsergänzungsmittel Epicor weiterentwickelt. In den USA ist das Mittel bereits weit verbreitet.

Relativ jung ist die Erforschung der sekundären Pflanzenstoffe. Wurden früher alle sekundären Pflanzenstoffe für gesundheitsschädlich gehalten, weiß man heute: Das gilt nur für einen Teil. Inzwischen werden viele dieser Stoffe sogar als gesundheitsfördernd erachtet, beispielsweise die Heilpflanzen Lavendel und Bockshornklee. In Kombination mit Ballaststoffen fallen sie unter den Sammelbegriff der bioaktiven Stoffe.

Industrielle Verwertung organischer Reste

Was passiert mit organischen Resten? Sie allein der Natur zu überlassen ist zwar eine Möglichkeit, doch in der Forschung wird sich auch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Warum die Reststoffe der Nahrungsmittelproduktion nicht sinnvoll in der Industrie verwerten? Forscher arbeiten längst an diesen Möglichkeiten. Das sind einige der Ergebnisse:

  • Werden die Restfasern von Zitronen mit natürlichem Spezialgummi kombiniert, kann das Ergebnis Hautcremes dickflüssiger Ganz ohne Chemikalien.
  • Pflanzenfasern und Schrot sind wunderbare Materialien für Asphalt im Straßenbau.
  • Selbst elektrische Leitlösungen können mit Hilfe von Pflanzen geschaffen werden.

Was wollen Verbraucher? Trends in der Ernährung

Geschmack ist wichtig, doch längst nicht alles. Gerade in der Lebensmittelindustrie verändern sich die Trends rasend schnell. Einflüsse sind unter anderem die sich verändernden Bedingungen: Produktpreise, Verfügbarkeit von Zeit und Produkten sind nur drei der weiteren Faktoren. Doch wie sehen die Trends aus? Worauf sollten Sie sich einstellen?

Weniger ist mehr: Vor allem bei Fleisch

Die Forschungsschwerpunkte deuten es bereits an: Fleischersatz und Fisch stehen im Fokus. Die Gründe für das steigende Interesse von Fleischalternativen haben bei den Verbrauchern kulturellen Hintergrund. Skandale und mangelnde Nachhaltigkeit schaffen bei vielen ein neues Gesundheitsbewusstsein. Bereits 2018 ernährten sich laut einer Studie bei Statista rund 32 % der Befragten flexitarisch. Sprich: möglichst wenig – und dann auch nur hochwertiges – Fleisch.

Nachhaltigkeit ist Verbrauchern wichtig

In Deutschland steigt auch der Wunsch nach verantwortungsbewussten Produkten. Nachhaltigkeit und Bio entwickeln sich zu ganzen Lebensstilen, die nun in der Nahrungsindustrie angekommen sind. Regionale Produkte werden bevorzugt eingekauft – im Jahr 2018 brachten vor allem regionale Lebensmittel den meisten Umsatz ein. Auch Fairtrade-Produkte gewinnen in Deutschland an Beliebtheit: Bislang konnten seit 1993 jährlich stets höhere Umsätze erzielt werden. Weltweit lag der Umsatz dieser Produkte 2018 bei etwa 9,8 Milliarden Euro.

Bio ist in aller Munde – wortwörtlich.

Dafür sind die Konsumenten auch bereit, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Die jährlich steigenden Umsätze bestätigen das: Im Jahr 2019 wurde allein mit Produkten in Bio-Qualität die neue Höchstsumme von 11,97 Milliarden Euro in Deutschland erreicht. Das bedeutet einen Anstieg auf das Doppelte innerhalb von zehn Jahren.

Eigenes Wohlergehen steht im Fokus

Fisch mit Omega-3-Fettsäuren, Spezialernährung aus gesundheitsfördernden Pflanzenstoffen und Nahrungsergänzungsmittel für ein gestärktes Immunsystem: Der Wunsch nach einer gesünderen Lebensweise wurde von den Forschern längst aufgenommen. Weltunternehmen wie Cargill investieren bereits viel Zeit und Geld in diese Forschungsthemen und schaffen die Möglichkeit für zahlreiche alternative Ernährungsformen.

Wer ist Cargill?

Der Name fiel bereits einige Male – und das zurecht. Das Unternehmen Cargill hat in der Ernährungsbranche fast überall seine Finger im Spiel. Das Familienunternehmen setzt auf Innovationen: Fischzucht, Getreidesilos und Laborfleisch sind nur einige der Forschungsthemen. Doch wer versteckt sich dahinter?

Kurz: das weltgrößte Unternehmen in der Ernährungsbranche – und doch weitgehend unbekannt.

Kaum zu glauben, dass es hier einen größeren Konzern als Nestlé gibt, oder? Dennoch ist Cargill um ein Fünftel umsatzstärker: 114 Millionen Dollar waren es im Jahr 2019. Weltweit sind dort 160.000 Mitarbeiter tätig. Drittgrößter Fleischproduzent, größter Getreidekäufer und mächtigster Rohstoffhändler – ebenfalls weltweit. Große Zahlen, die mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden. Warum also kennt kaum einer Cargill?

Die Antwort ist simpel: Bislang wurde das Unternehmen sehr verschwiegen geführt. Außerdem produziert es kaum Endprodukte, sondern agiert zwischen Landwirten und Nahrungsmittelherstellern. Unter anderem als Lieferant von Burger-Patties für McDonald’s und Burger King. Der Name taucht also nirgendwo in der breiten Öffentlichkeit auf.

Ein Weltunternehmen mit nachhaltigen Zukunftsthemen

Unter den Umweltschützern steht Cargill jedoch heftig unter Beschuss. Es gilt als „das schlimmste Unternehmen der Welt“ (laut der Umweltorganisation Mighty Earth), weil es Kinderarbeit bei Kakaobauern dulden und Regenwälder für den Sojaanbau abholzen würde.

Cargill-Manager Florian Schattenmann wehrt die Beschuldigungen ab. Als größter Konzern in der Branche stehe das Familienunternehmen automatisch im Zentrum der Aufmerksamkeit. „Nachhaltigkeit war schon immer ein Fokus. Externe Kritik hat unsere interne Diskussion darüber nur verstärkt.“ Von 2017 bis 2030 will Cargill den Ausstoß von Treibhausgasen um 30 % reduzieren. Weiter werden laut Schattenmann 80 % der Gewinne von der Familie in nachhaltige Innovationen reinvestiert: Hier stehen die oben gelisteten Zukunftsthemen im Fokus.