Bayer steigt in Vertical Farming-Startup ein | Bild Header

Startup: Bayer steigt in das Vertical Farming ein

Wenn man die Überschrift liest, ohne in der Landwirtschaft daheim zu sein, fragt man sich, was Vertical Farming ist. Der Begriff lässt sich mit guten Englischkenntnissen einfach entschlüsseln. Er bedeutet „vertikale Landwirtschaft“. Der Anbau von Obst und Gemüse in mehrstöckigen Gewächshäusern wird als sogenanntes „Vertical Farming“ bezeichnet. Doch was hat nun der Pharmariese Bayer damit zu tun? Dem weltweit agierenden Unternehmen ist die Herstellung von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln nicht genug. Darum möchte es jetzt auch in die Landwirtschaft einsteigen und hat das Vertical Farming für sich entdeckt. Was das für Sie bedeutet, können Sie im nachfolgenden Blogbeitrag lesen.

Bayers Startup als Joint Venture

Und schon schleicht sich der nächste Anglizismus in den Text: Joint Venture. Grob übersetzt bedeutet das „gemeinsames Wagnis“. Zwei oder mehrere Unternehmen schließen sich zusammen und führen gemeinsam ein Projekt durch. In diesem Fall sind das Bayer und sein Großaktionär Temasek aus Singapur. Unter dem klangvollen Namen Unfold sollen knapp 30 Millionen US-Dollar für Vertical Farming aufgewendet werden.

Schon in biblischen Zeiten fragte man sich, wie der stetig wachsenden Bevölkerung ein unbegrenztes Kontingent an Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen könnte. Doch was damals Brot und Fisch war, ist heute Obst und Gemüse. Das Grundproblem ist aber dasselbe: Die Großstädte werden größer und der Ruf nach mehr Anbaufläche ist überall zu hören. Jürgen Eckhardt, Leiter des Bayer-Investmentarms Leaps, sagt dazu: „Eine der großen Fragen unserer Zeit ist, wie wir die wachsende Bevölkerung mit dem vorhandenen Ackerland ernähren können. Wir glauben stark daran, dass wir dabei auf Technologiesprünge angewiesen sind – und Vertical Farming ist einer davon.“

The Best Way To Predict The Future Is To Invent It

Das sagte einmal der Informatiker Alan Kay. Doch dieses Zitat lässt sich problemlos auf das Vertical Farming übertragen. Dabei muss man die Zukunft gar nicht mehr erfinden, sondern sie direkt in die eigenen Hände nehmen. Denn die Landwirtschaft in Großstädten hat sich zu einem lukrativen und vielversprechenden Markt entwickelt.

Doch was geschieht dort genau? Im vertikalen Ackerbau werden Nahrungsmittel unter Laborbedingungen in High-Tech-Glaskästen auf mehreren Ebenen angebaut. Der Vorteil, der sich geradezu aufdrängt: Landwirte sind nicht mehr auf Land und Klima angewiesen.

Und auch der Lebenszyklus eines Salats ähnelt inzwischen eher dem sprichwörtlichen Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das Salatwachstum ist diversen Aspekten unterworfen. Auf herkömmlichen Ackerflächen können unterschiedliche Witterungsbedingungen oder gar ein Schädlingsbefall auftreten. Der Salat, der im Vertical Farming angepflanzt wird, wächst unter LED-Licht, mit passender Bewässerung, Düngung und Temperatur.

Vom vertikalen Anbau erhoffen sich Agrarunternehmen ein schnelleres und höheres Produktionsvolumen.

Der Markt des Vertical Farmings ist noch jung und steckt voller Potenzial, man muss es nur zu ernten wissen. In Investorenkreisen gilt er als zukunftsträchtige Technologie. Laut einer Prognose der Investmentbank Barclays umspannt das Marktpotenzial der vertikalen Landwirtschaft bis zu 50 Milliarden US-Dollar. Darauf stützt sich auch der Bayer-Manager Eckhardt. Eigene Zahlen hat Bayer bisher noch nicht erhoben.

Optimales Saatgut made by Unfold

Das Startup Unfold begibt sich in einen Markt, in dem auch das Berliner Unternehmen Infarm bereits eine große Rolle spielt. Infarm stützt sich auf eine Finanzierung von rund 100 Millionen Euro. Es zählt Namen wie Kaufland, Aldi Süd, Edeka und Metro zu seinen Kunden.

Von diesem Markt möchte Unfold sich durch eigene Innovationen im Bereich Saatgut abheben. Das Joint-Venture-Startup plant die Entwicklung diverser Sorten, die speziell auf das Vertical Farming ausgerichtet sind. Hier glänzen Bayer und Temasek mit Expertise: Erstere haben Unfold bereits ein Portfolio an Saatgutsorten übertragen und letztere investierten bereits in vertikale Farmen, die Kunden werden könnten.

Mit diesem Rückenwind könnte Unfold in naher Zukunft ein ernstzunehmender Konkurrent für Infarm werden. Zwar heißt es, das Startup sehe sich in erster Linie als Zulieferer. Es hält sich dennoch die Möglichkeit offen, eigene vertikale Gewächshäuser zu betreiben. Aktuell sind die Märkte in den USA und Singapur das Ziel, wo auch die Büros des Joint Ventures ansässig sind.

Was macht die Umwelt? – Aussichten auf die Ökobilanz

Zunächst plant Unfold den Anbau von Obst- und Gemüsesorten wie Salat, Spinat, Paprika, Gurken und Tomaten. Das Ziel ist klar: hervorragender Geschmack und bessere Nährwerte.

Bayer-Manager Eckhardt lässt aber den Umweltaspekt keineswegs außen vor. Unfold wirbt mit einer besseren Ökobilanz und einem geringeren Ressourcenverbrauch als in der konventionellen Landwirtschaft. Das vertikal angebaute Gemüse braucht rund 70 bis 90 Prozent weniger Wasser und bis zu 90 Prozent weniger Anbaufläche. Es werden weniger Pestizide und Dünger benötigt und aufgrund der verkürzten Transportwege winkt eine bessere CO2-Bilanz.

Im senkrechten Ackerbau lauern auch Nachteile: Da Bewässerung und Sonnenlicht künstlich simuliert werden, sind viele Vertical Farms regelrechte Stromfresser. Hierfür hat Eckhardt eine Lösung parat. Je nach lokaler Gegebenheit bieten sich Solarpaneele auf den Dächern der vertikalen Farmen an. Auf diese Art erzeugter Strom schlägt sich besser in der Ökobilanz nieder als konventioneller Strom aus Kohlekraftwerken. Was aus Marketingsicht unumstößlich erscheint, rechnet sich in der CO2-Bilanz deutlich komplizierter. Bisher konnte noch kein Startup, das im Vertical Farming daheim ist, ein Ergebnis über den ökologischen Fußabdruck eines Salates liefern.

Dennoch: Am Ende überwiegen die Vorteile bei Weitem:

  • Reduzierung von Nahrungsmittelverlusten und -verschwendung
  • kurze Anbauzyklen für mehr Flexibilität beim Anpflanzen
  • frische, beständige und lokal angebaute Produkte für Kunden

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